Natur und Landschaft

Bereits im ersten Paragraphen des Bundesnaturschutzgesetzes wird die besondere Bedeutung und Wichtigkeit von Natur und Landschaft herausgestellt. Eine gesunde Natur und Landschaft sind demnach die Grundlage für das Leben und das Wohlbefinden des Menschen. Deswegen ist es auch ein wichtiges Anliegen all das was eine lebenswerte Umwelt ausmacht die biologische Vielfalt, die Leistungs- und Funktionsfähigkeit, sowie Regenerationsfähigkeit und auch die Vielfalt, Eigenart und Schönheit sowie den Erholungswert zu schützen, zu pflegen und zu entwickeln, ggf. sogar wiederherzustellen.

Die Natur und die Landschaft der Planungsregion Chemnitz sind vielfältig ausgebildet. Von weiten und offene Ackerflächen über kleinteilig strukturierte Landschaftsbestandteile, von Gebieten mit nur wenigen Niederschlägen im Jahr und einer hohen Sonnenscheindauer bis hin zu regenreichen Regionen, über Wälder, Felder, Heckenstrukturen, Höhen und Tiefen ist alles in der Planungsregion vorhanden. Die naturräumliche Ausstattung ist durch unterschiedlichsten Landnutzungen und Siedlungstätigkeiten der vergangen (und auch zukünftigen) Jahre geprägt.

Geologisch strukturiert wird die Planungsregion in 3 Naturregionen (vgl. Naturregionen, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie, 2014). Dies sind das lößbedeckte Tief- und Hügelland, das Gebirgsvorland und Bergland, sowie die Kammlagen des Mittelgebirges. Letzteres ist sachsenweit zum großen Teil nur im äußersten Süden der Planungsregion Chemnitz vorhanden. Alle 3 Regionen ziehen sich bandartig von Südwesten in nordöstliche Richtung durch die Region.

Über die Jahre wurden durch Eis-, Kalt- und Warmzeiten die verschiedensten Reliefformen herausgebildet, welche sich bis heute in kleinräumigeren Naturräumen zeigen. So unterschiedlich die Ausformungen und Lagen der Landschaften sind, so unterschiedlich sind auch ihre natürlichen Gegebenheiten, klimatischen Bedingungen, Bodenvorkommen sowie Fauna und Flora.

Das Vogtland

Südwestlich in der Planungsregion liegt das Vogtland, mit seinen charakteristischen Hochflächen, Kleinkuppenlandschaften und tief eingeschnittenen Tälern. Das Vogtland gehört zu den niederschlagsärmsten Gebieten der Region. Daraus ergibt sich eine überwiegend ländliche Prägung dieses Raumes, mit nur wenigen großräumig agrarstrukturellen Ausformungen. Zwischen den Acker- und Siedlungsflächen wird das Vogtland von kleineren Wäldern geprägt, welche in den höheren Lagen auch zu großen zusammenhängenden Waldflächen übergehen. Auen und Flusslandschaften tragen zur weiteren Vielfalt bei. Die zahlreichen Wiesen, Gehölzstrukturen, sowie Nadel- und Mischwälder prägen das Landschaftsbild und sind Heimat für Flora und Fauna. Zum Erhalt dieser Fülle tragen Schutzgebiete, wie bspw. der Naturpark Erzgebirge-Vogtland bei.

Das Lößhügelland

Das nordöstlich gelegene Lößhügelland, welches sich bis an die nordöstliche Planungsgrenze zieht, ist geprägt durch zahlreiche Flusstäler, an denen sich die Siedlungs- und Nutzungsstruktur orientierte. Das Lößhügelland ist sachsenweit das Gebiet mit den besten landwirtschaftlichen Potenzialflächen auf Grund der hohen natürlichen Fruchtbarkeit der Böden. Die Landwirtschaft ist in weiten Teilen prägend. Die Hanglagen der Ackerböden weisen jedoch auch Risiken auf. Durch den Klimawandel wird es zukünftig vermehrt zu (Stark-)Niederschlagsereignisse kommen. Hier sind vor allem die hanglagigen Ackerböden einer erhöhten Erosionsgefährdung ausgesetzt. Bereits jetzt ist eine hohe Erosionsgefährdung der offenen, hanglagigen und an Talrändern der Flüsse gelegenen Nutzflächen zu verzeichnen. Wälder sind durch die hohe landwirtschaftliche Nutzung im Lößhügelland kaum vorhanden. Wegen der guten Bodennutzbarkeit und einigen Fließgewässern kam es zu einer ausgewogenen und gleichmäßig verteilten Siedlungsentwicklung, welche sich in zahlreichen kleineren Dörfern zeigt. Vor allem Landschaftsschutzgebiete, Wasserschutz- und Naturschutzgebiete erhalten und schützen die Täler, Flüsse und die wenigen Waldflächen des Lößhügellandes, sowie die darin lebenden Tier- und Pflanzenarten.

Das Erzgebirge

Im Süden der Planungsregion zieht sich bis an die Südostgrenze das Erzgebirge. Hier sind die höchsten Lagen der Region zu finden, zahlreiche Täler, Berge, Hügel und Höhenzüge erschufen ein abwechslungsreiches Relief. Die Region Erzgebirge präsentiert sich je nach Höhenlage sehr verschieden. Mit Zunahme der Höhe sinken die durchschnittlichen Jahrestemperaturen und die Niederschlagsmengen nehmen zu, die Schneesicherheit erhöht sich, sowie das Windaufkommen. Durch die Hanglage sind diese Gebiete schwer landwirtschaftlich nutzbar, in den tieferen Lagen dennoch immer noch möglich. Aus forstwirtschaftlicher Sicht sind die höher gelegenen Flächen jedoch sehr ertragreich. Vor allem Nadelwälder sind prägend. Insgesamt wird das Erzgebirge durch zahlreiche Landschaftsbestandteile wie Feldgehölze, Baumreihen, Hecken, Wälder, Talauen und Offenland strukturiert und Die geologische Struktur bedingte zudem eine berglaubliche Nutzung weiter Flächen. Damit einhergehend kam es auch zu zahlreichen Siedlungsentwicklungen im Erzgebirge hauptsächlich entlang der Fließgewässer. Der Naturpark Erzgebirge-Vogtland sowie kleinere Landschaft- und Naturschutzgebiete sowie Wasserschutzgebiete tragen zur Struktur- und Lebensraumerhaltung vieler Tiere und vor allem Pflanzen bei, welche nur unter den speziellen klimatischen Bedingungen des Gebirges leben können. Darüber hinaus sind diese Gebiete für Erholungs- und Erlebniszwecke des Menschen nutzbar.

Das Erzgebirgsbecken

Zwischen den Teilräumen des Lößhügellandes und des Erzgebirges liegt das Erzgebirgsbecken, welches auch die Stadtlandschaften Zwickau und Chemnitz sowie größere und kleinere Flüsse  umschließt. Die beiden Städte nehmen große Teile des Erzgebirgsbecken ein. Talhänge, Hügel, Plateaus und Auenbereiche wechseln sich in diesem Naturraum ab. Das bewegte Relief ist ursächlich für die hohe Erosionsgefährdung der Böden. Diese werden landwirtschaftlich aber auch forstwirtschaftlich genutzt. Auf Grund der geschützten Lage des Erzgebirgsbecken ist eine vielfältige Nutzung möglich und es herrschen gute klimatische Bedingungen. Jedoch nimmt im Winter mit Beginn der Schneeschmelze im Gebirge das Hochwasserrisiko zu. Durch das besonders hohe Vorkommen von Sedimenten- und Gesteinen kam es vor allem in diesem Naturraum der Planungsregion Chemnitz zu einer vermehrten Siedlungsentwicklung. Dies hängt auch mit dem hohen Vorkommen an Bodenschätzen zusammen. Die dritt- und viertgrößte Stadt Sachsens,  Chemnitz und Zwickau, sind bis heute Zeugen einer vermehrten Siedlungsentwicklung und prägen nachhaltig diesen Natur- und Landschaftsraum. Der Agglomerationsraum Chemnitz-Zwickau ist einer der dicht besiedeltsten in ganz Sachsen. Auf Grund der hohen Bodenfruchtbarkeit ist fast überall Landwirtschaft möglich, welche bis heute überwiegend intensiv betrieben wird. Zwischen den Ackerflächen finden sich nur einige große und zusammenhängende Wälder. Die markanten Täler und Hohlformen bieten ideale Voraussetzungen für artenreiche und vielfältige Biotope. Landschafts-, Naturschutz- und Wasserschutzgebiete sind dabei auch im Erzgebirgsbecken eine hilfreiche und ergänzende Unterstützung.

Aus den verschiedenen Landschaftsteilen ergeben sich die verschiedenen Potenziale und Empfindlichkeiten, welche regionalplanerisch auch die unterschiedlichsten Herangehensweisen und Handlungsansätze erfordern, um jede Landschaft optimal zu fördern, zu erhalten und zu entwickeln.


Abbildung 1: Naturregionen, Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie: Fachbeitrag zum Landschaftsprogramm, Naturräumliche Potenziale, Empfindlichkeiten und Landnutzung im Freistaat Sachsen, Dresden, Dezember 2014.
Abbildung 2: Landschaftsgliederung, Karte 7, Entwurf Regionalplan Region Chemnitz, 2015.
Talsperre Pirk, Foto: S. Heß, Planungsverband Region Chemnitz
bei Pulsitz, Foto: S. Heß, Planungsverband Region Chemnitz
Zusammenfluss Freiberger Mulde und Zschopau, Foto: S. Heß, Planungsverband Region Chemnitz
Preßnitztal bei Schmalzgrube, Foto: S. Heß, Planungsverband Region Chemnitz
Scheibenberg, Foto: S. Heß, Planungsverband Region Chemnitz
Burg Schönfels, Foto: S. Petzold, TU Dresden